Lina – so heißt unsere griechische Landschildkröte, die nun schon seit rund 60 Jahren bei uns lebt. Mein älterer Bruder bekam sie damals geschenkt, zu einer Zeit, als Schildkröten und der Handel mit ihnen (leider) noch nicht so geschützt waren.
Lina war damals schon ausgewachsen – wobei Schildkröten ihr ganzen Leben lang wachsen, aber ab ca 20 Jahren wachsen sie nur noch wenig. Wenn man also diese 20 Jahre zu den bei uns gelebten 60 Jahren hinzuzählt, ist Lina heutzutage ca 80 Jahre alt.
Man sagt, dass Landschildkröten in freier Wildbahn ca 40 Jahre alt werden, in guter Haltung können sie 60 bis 80 Jahre werden, selten auch mal über 100 Jahre.
Nachdem mich Lina nun schon mein ganzes Leben als Haustier begleitet, ist sie für mich etwas ganz Besonderes und ich hoffe, dass sie noch einige Jährchen leben wird.
Lina lebt bei uns in einem großen artgerechten Gehege, sie darf aber sehr häufig draussen im Garten herumspazieren, nämlich wenn ich sie nebenher „bewachen“ kann.
Seit diesem Jahr hat sie einen Tracker an sich und ich bin über diese Technik begeistert!!! Früher suchte ich Lina manchmal mehrere Stunden, manchmal sogar tagelang wenn ich nicht richtig aufgepasst hatte. Schwupps war sie weg und die Sucherei ging los. Auch wenn Lina ein rotes Band hinter sich herzog (damit ich sie besser finden kann), so war sie manchmal nur mit viel Glück zu finden.
Jetzt brauche ich nur die App in meinem Handy zu öffnen und schon zeigt mir mein Handy an, in welcher Entfernung sich Lina befindet und wo ich hingehen muss um sie zu finden. Echt cool und enorm zeitsparend!
Schildkrötenweibchen legen übrigens ab einem gewissen Alter jedes Jahr lebenslang Eier (auch wenn die Eier nicht befruchtet sind).
Ich kenne Lina mittlerweile sehr gut. Tage vor der Eiablage wird Lina unruhig, „rennt“ im Gehege hin und her, läuft im Garten ziellos hin und her, stellt das Fressen ein und man hat den Eindruck sie ist „genervt“ 🙂
In der freien Wildbahn sind die Weibchen in dieser Zeit sehr aggressiv und beissen jede andere Schildkröte von sich weg um ihr Terrain zu verteidigen.
Letztlich dient dies dazu, dass die geschlüpften Babys später eine gefahrlose Umgebung haben und z.B. nicht von erwachsenen Schildkröten gebissen und verletzt werden.
Nach Tagen der Unruhe beginnt die Schildkröte einen Platz zu suchen, wo sie die Eier ablegen möchte. Auch hier wird sie instinktiv geleitet: Der Untergrund und die Neigung zum Sonnenlicht müssen stimmen. Es soll fressbare Pflanzen in der Nähe haben, damit die geschlüpften Babys, die ja von Anfang an sich selbst versorgen, genug Nahrung finden.
Die Schildkröte gräbt an einem Hügel, Kopf nach oben. Mit den Hinterbeinen gräbt sie stundenlang ein ziemlich großes Loch. Nach und nach drückt sie die Eier aus der Kloake heraus. Die Eier liegen im gegrabenen Loch und werden nach Beendigung des Vorgangs mühsam mit Erde wieder zugedeckt (auch hierzu benutzt die Schildkröte ihre Hinterbeine).
Es ist faszinierend diese Eiablage zu beobachten! Eine Schildkröte wirkt so panzern und steif. Und doch kann sie mit ihren Beinen gelenk und grazil verschiedenste Bewegungen ausführen.
Unsere uralte Lina hat vor kurzem 9 Eier gelegt. In diesem Jahr wollte ich die Eier zur Erinnerung behalten. Wer weiss, wie lange Lina noch lebt und Eier legt? Ich habe die Eier sauber gewaschen und stellte sie zum Trocknen in einer Holzschale unter den Balkon auf ein Fensterbrett. Am anderen Tag wollte ich die Eier vorsichtig ausblasen und nochmals gut säubern.
Tja – ich habe nicht mit der frechen Elster gerechnet. Hast du nicht gesehen, hat die Elster alle 9 Eier geklaut (und sicherlich gefressen). Mein Mann sah sie mit dem letzten Ei im Schnabel davonfliegen.
Zum Glück weiss Lina nichts von dieser Sache.
Wobei es ja auch echt erstaunlich ist, wie unterschiedlich in der Tierwelt der Umgang von Zeugung, Geburt und Aufzucht ist. Manche Vogelmamas sitzen wochenlang auf den Eiern zum Brüten. Später fliegen sie bis zur Erschöpfung umher um ihre Jungen zu füttern. Mutig fliegen sie um Fressfeinde herum, um sie vom Nest und den wehrlosen Jungen abzulenken und bringen sich selbst damit in größte Gefahr.
Lina hingegen hat zwar Mühsal beim Legen der Eier. Danach aber wandert sie ihres Weges und kümmert sich um gar nichts mehr. Wären es befruchtete Eier und ihre Babys wären geschlüpft, sie würde wohl gar nicht wissen, dass es ihre Kinder sind.
Wer weiss, vielleicht werden Schildkröten unter anderem deshalb so alt, weil sie sich für andere nicht aufopfern?
Wenn die Eiablage ansteht braucht es im Gehege einen schönen, weichen Erdhügel.
Es benötigt ausreichend langes Tageslicht und warme Temperaturen, dann kommt die Eiablage bei einer Schildkröte in Gang. Es ist soweit: Lina gräbt ausdauernd ein Loch in welches sie die Eier hineinlegt.
Und ich grabe die unbefruchteten Eier wieder aus und wasche sie sauber. Lina realisiert nicht, dass in der Holzschale ihre Eier liegen. So verknüpfend können Schildkröten nicht denken.
Der Prozess der Eiablage ist für die Schildkröte anstrengend. Nach getaner Arbeit trinkt und frisst Lina endlich wieder, nachdem sie tagelang gefastet hat.
Erst mal ein bisschen Löwenzahn knabbern zur ersten Stärkung.
Danach Sephiaschale fressen – lecker und gesund.
Geschafft! Jetzt kann Lina wieder ausgeglichen und gechillt ihr Leben genießen.